Freitag Abend

Jörg Knorr: Estland – Ein Kajak-Abenteuer

von kajaktraum.de

Neue Länder, neue Inseln, neue Landschaften, neue Herausforderungen – In Estland habe ich genau das gefunden. Im Juni/Juli 2016 bin ich von Ventspils in Lettland nach Tallinn gepaddelt. Außen herum um die Inseln Saaremaa, Hiiumaa, Vormsi und noch weitere kleine Eilande. Die einsame Natur hat mich besonders begeistert. Die Küste ist beeindruckend. Wald und Meer treffen direkt an der Uferlinie aufeinander. Oft erinnert die Landschaft ein wenig an Schweden, ab und zu auch an die deutsche Ostseeküste. Massen an Steinen machten das Anlanden manchmal schwierig. Phantastische Sonnenuntergänge gehörten oft zum Abendprogramm. Seeadler, Kegelrobben und Küstenvögel ohne Ende sind mir vor die Linse gekommen. Menschen weniger. Kein einziger Paddler kreuzte meinen Weg. Estland ist nur dünn besiedelt. Estlands Inseln noch dünner. Ganze 1,3 Millionen Einwohner hat das Land. Es gab Tage, da habe ich keinen Menschen gesehen. Wer die Einsamkeit liebt, der ist hier richtig. In Tallinn gönnte ich mir noch 3 Tage Luxus im Hotel, um mir die bilderbuch-schöne Stadt anzusehen. Tallinn ist ein Traum. Das wissen auch die vielen Kreuzfahrttouristen, die hier scheinbar täglich in riesigen Pötten einlaufen. Trotzdem, ich bleibe bei der Kajak-Perspektive. So erlebe ich die Küste und das Land direkter, intensiver und sehe viele Ecken, die selbst Seglern vorenthalten bleiben. Nach meinem Kajak-Abenteuer war Tallinn quasi das Komfort-Kontrast-Programm.
Die Bergsteiger-Legende Reinhold Messner hat mal sinngemäß gesagt: „Abenteuer beginnt dort, wo Tourismus aufhört.“ Insofern habe ich wieder ein Abenteuer gelebt, wusste morgens noch nicht, wo abends mein Zelt stehen wird oder welche Begegnungen auf mich warten. Das Abenteuer kommt zu dir, du musst es nur geschehen lassen und zur Not einen Plan B parat haben. Der Plan B war nicht nötig. Was bleibt übrig nach einer solchen Reise? Über 600 km in den Armen und viele Reiseeindrücke im Kopf. Die wenigen Menschen, die ich traf waren hilfsbereit, gastfreundlich und sehr warmherzig. Einen Schnaps zur Begrüßung, ein Kaffee zum Aufwärmen und viele Geschichten bekam ich ganz selbstverständlich und mit offemen Herzen serviert. Mein Fazit: Allein diese Begegnungen waren die Reise wert. Die Landschaft an der estländischen Küste zu erleben war ein Traum, ein Kajaktraum. Ich komme definitiv wieder.

und hier noch der Trailer